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Entspannung am Arbeitsmarkt?

Aktuell können Sie fast jeden Tag der Tageszeitung neue Hiobsbotschaften bezüglich Stellenabbau, Kurzarbeit und Sparprogrammen entnehmen. Hinzu kommt die eine oder andere Insolvenz und Fusion. Es scheint sich eine gewisse Entspannung bzw. Normalisierung am Arbeitsmarkt zu entwickeln. Viele Unternehmensleiter und Personaler fühlen sich bestätigt: Es wird nicht so heiß gegessen wie gekocht. Beim Employer Branding und Recruiting kann die Schlagzahl reduziert werden. Wirklich? Wer so denkt, riskiert viel.

Den Tatsachen ins Auge schauen

Mein hochgeschätzter Kollege, Professor Dr. Jörg Knoblauch, bringt es perfekt auf den Punkt: „Das Geld verdienen Sie mit den A’s, vernichtet wird es wieder von den C´s. Wenn Sie sich von C-Mitarbeitern trennen wollen, dann ist jetzt die Stunde. Und sorgen Sie dafür, dass sich Ihre A-Mitarbeiter nicht neu orientieren, sondern mit Begeisterung bei Ihnen bleiben. Schafft es ein Unternehmen, Spitzenkräfte an sich zu binden, kann es gelassen auch in schwierigen Gewässern manövrieren. Die C’s werden sowieso bleiben, wenn Sie sich nicht von ihnen verabschieden.“

Umparken im Kopf

Schafft es ein Unternehmen, Spitzenkräfte an sich zu binden, kann es gelassen auch in schwierigen Gewässern manövrieren. Das ist der Punkt. Binden tun Sie mit Klebstoff. Geld ist zwar mit 23% noch der Topfaktor für die Zufriedenheit (so eine Umfrage des Personaldienstleisters Rolbert Half unter 1.000 Fachkräften) aber der Summe aus weichen Faktoren (17% wünschen sich sinnvolle Aufgaben, 13% präferieren eine ausgewogene Work-Life-Balance und 10% mehr Wertschätzung vom Vorgesetzen.) unterlegen.

Schnelle und kleine Belohnungen festigen die Bindung

Der wichtigste Faktor der Mitarbeiterbindung bleibt ein gutes Betriebsklima. Wer geht mit Freude dorthin, wo es ihm nicht gefällt? Keiner! Dort können Sie auch keine Spitzenleistung erwarten. Lob bewirkt Wunder und stet viel zu selten auf der Benefit-Liste. Gleiches gilt für flexible Arbeitszeiten. Mehr als ¾ der Beschäftigten sprechen sich regelmäßig für flexible Arbeitszeiten aus, um so Angebote des ÖPNV besser nutzen zu können oder Kinder in die Kita/Schule bringen zu können. Auch die Möglichkeit einen Hund mit ins Büro zu bringen, verursacht keine direkten Kosten. Eventuell löst sie aber ein großes Problem Ihres Mitarbeiters. Zudem lohnt ein Blick in die Kantine bzw. Küche. Finden Ihre Mitarbeiter dort gesunde und regionale Angebote? Oder gilt allein die Devise „Ohne Mampf kein Kampf?“

Jeden Tag wird die Welt neu verteilt. Das ist Ihre Chance und Ihr Risiko.

Wer nicht automatisch neue Mitarbeiter gewinnt, ist schlicht und einfach als Arbeitgebermarke falsch positioniert.

So halten Sie Ihre A-Mitarbeiter

Laut der Umfrage zur Jobzufriedenheit 2018 der Manpower Group erwägen etwa 50 Prozent der deutschen Angestellten einen Arbeitgeberwechsel. Die drei Hauptmotive (10 vorgegebene Aussagen) sind: bessere Bezahlung (22%), Arbeitsleistung wird nicht honoriert (15%), Abwechslung/Tapetenwechsel (12%). Dass ein gutes Gehalt allein nicht mehr ausreicht, um im War for Talents zu punkten, dürfte bekannt sein. Doch was müssen Sie wirklich als Arbeitgeber bieten, um Ihre A-Mitarbeiter nicht an den Wettbewerb zu verlieren und Ihre Wettbewerbssituation zu schwächen?

Höheres Gehalt ist Hauptmotivation für den Jobwechsel

Ein höheres Gehalt ist mit 22 Prozent der Hauptgrund für einen Arbeitgeberwechsel bzw. neuen Arbeitsplatz. Können Sie mit einer TOP-Entlohnung eine Abwanderung verhindern? Wohl eher nein. Ansonsten würden alle Fußballprofis in China oder Großbritannien spielen wollen. Ansonsten würden deutlich mehr Arbeitnehmer nach München oder Hamburg ziehen. 78 Prozent der Befragten wollen im Umkehrschluss eben auch aus anderen Gründen ihre Arbeitsstelle wechseln.

Welche Hebel Sie haben, um A-Mitarbeiter zu binden

  • Empfindet Ihr Mitarbeiter seine Aufgabe als erfüllend und kann sich durch seine Erfolge/Teamerfolge belohnen, sind externe Anreize i.d.R. nicht notwendig. Ähnlich wie beim Hobby. Urkunde, Zielfoto und das Event-Trikot reichen nicht aus, um die Qualen eines Marathons – inklusive Trainings – auf sich zu nehmen.
  • Interessen, Talente, Stärken, Team und Unternehmenskultur passen perfekt zum Mitarbeiter. Er kann genau das Richtige für sich und andere tun. Wer einen A-Verkäufer aufgrund seiner Verkaufserfolge zum Verkaufsleiter befördert, erhält nicht unbedingt auch einen A-Verkaufsleiter.
  • Die Aufgaben müssen Ihrem Mitarbeiter vom Grundsatz her leicht fallen. Er sollte nie das Gefühl bekommen, seinen Aufgaben nicht gewachsen zu sein. Würth halbiert zwar die Verkaufsgebiete seiner erfolgreichen Sales-Manager, eine Umschulung vom „Farmer“ zum „Hunter“ (Kaltakquisition) käme dagegen nicht in Betracht.

Flankierende Maßnahmen

Kein Sportler wird auf das Feedback eines Trainers verzichten wollen. Er benötigt einen Partner, um den Weg von Ist zum Ziel sicher zu erreichen. Führen Sie deshalb regelmäßige Mitarbeiter- und Feedback-Gespräche. Setzen Sie zudem realistische Meilensteine und motivierende Zielvereinbarungen. Sorgen Sie für ein gutes Arbeitsklima. Denn Erfolg ist dort zu Hause, wo Arbeitnehmer sich wohlfühlen. Daneben können flexible Arbeitszeitmodelle oder Home-Office-Regelungen, Betreuungsangebote für Kinder und attraktive Bonusprogrammen flankierende Maßnahmen sein.

Haben Sie alles richtig gemacht, so können Sie mit dem Bleiben Ihrer A-Mitarbeiter rechnen. Den Fach- und Führungskräftemangel überlassen Sie bitte der Konkurrenz.

Positionierung = mehr Lebensqualität ∣ mehr Gewinn