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Unternehmensgründung und dann Hartz 4

In der 2. Lebenshälfte liebäugeln nicht wenige Arbeitnehmer mit einem Wechsel auf die Unternehmerseite. Häufige Gründe: Mit der Karriere geht es vermeintlich nicht weiter, der Chef ist nicht der Traumchef, das Know-how (vermeintlich) groß und das Gehalt versus Unternehmensgewinn bescheiden. Wer dann noch dem gängigen Rat folgt, nur dass zu machen, was einem Spaß bereitet, begibt sich leicht auf dünnes Eis. Unternehmensgründung und dann Hartz 4? Leider zu häufig die Realität.

Wo ist das Problem? Hier ist meine Lösung!

Die viel zitierte Aussage „Mache, was du liebst und das Geld wird dir folgen“ ist verkürzt und irreführend. Die vollständige Fassung lautet eher „Mache was du liebst, arbeite hart, sehr hart, sei leidensfähig, sei zielstrebig, sei offen für Neues, engagiere dich, mehr als verlangt, sei diszipliniert, hartnäckig, halte durch und arbeite wirklich hart, sogar noch ein wenig härter, und das Geld wird dir folgen.“ Der entscheidende Punkt fehlt trotzdem noch. Ihre Lösung (Produkt oder Dienstleistung) muss ein Problem einer Zielgruppe lösen. Sie müssen in Resonanz mit Ihren Kunden stehen. Ohne Resonanz kein Nachfragesog und keine Zahlungsbereitschaft. Ihre Ziele, wie Spaß, Anerkennung, Sinn und Reichtum, spielen nur die 2. Geige. Diese Tatsache ist immens wichtig. Sie wird bei der Selbstverwirklichung zu oft aus den Augen gelassen. Und dann verbrennen Sie Ihr Erspartes!

Wie viele Personen ticken genauso wie Sie?

Angenommen Sie sind Erst-Hundebesitzer. Ihr treuer Freund soll natürlich nur das Beste in seinen Fressnapf bekommen. Sie wälzen also medizinische Bücher, tauchen dann tief in die Ernährungslehre ein und studieren anschließend die typische Zusammensetzung des verfügbaren, breiten Angebotes. Sie entwickeln das „perfekte“ Rezept, suchen einen Lohnverarbeiter und haben anschließend 5.000 Kg Hundefutter in Ihrer Garage stehen. 200 bis 400 g sind täglich für Ihren treuen Freund reserviert, der Rest steht zum Verkauf im Online-Shop bereit. Nur wie viele Personen ticken so wie Sie? Wenn es für die Ergebnisse Ihres Handelns keine zahlungsbereite Abnehmer gibt, ist alle Müh vergebens.

Den Blick für den Kunden schärfen    

Entscheidend ist daher eine Beobachtung und Beschreibung der Bedürfnisse Ihrer (Teil)Zielgruppe, Ihrer Hundebesitzer-Kollegen. Sie müssen im wahrsten Sinne des Wortes im Kopf Ihrer Kunden Spazierengehen. Gibt es für ein Problem, das noch nicht bzw. nicht gut gelöst ist?

Jeden Tag wird die Welt neu verteilt. Das ist Ihre Chance und Ihr Risiko.

Positionierung = mehr Lebensqualität ∣ mehr Gewinn

Differenzierte Ansprache im Employer Branding ist ein Muss

Um von Bewerbern als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden, tun Personalabteilungen so einiges. Auf Karriereseiten, auf Jobmessen oder in Stellenanzeigen werben sie für Traumjobs mit flexiblen Arbeitszeiten und Work-Life-Balance, Nachhaltigkeit, Tischkicker und viel Raum zur Selbstentfaltung. Damit erzeugen sie Resonanz bei akademischen Bewerbern. Auf dem gewerblichen Arbeitsmarkt hingegen können Arbeitgeber mit diesen Argumenten jedoch kaum punkten. Das zeigt beispielsweise die Studie „Blue-Collar in Deutschland“.

Jobsicherheit und Gehalt sind die Antriebsfedern bei Arbeitern und Handwerkern

Drei Viertel der Beschäftigten in Deutschland zählen zum sogenannten Blue-Collar-Segment. Das ist der außerakademische Arbeitsmarkt. Und genau hier ist der Fachkräftemangel für Unternehmen besonders schmerzhaft spürbar. Sie kennen die heutige Wartezeit für einen Dachdecker, Heizungsmonteur, Webdesigner, etc., oder? Und trotzdem richten akademische Entscheider ihre Employer Brand häufig an den Bedürfnissen der (eigenen) akademischen Zielgruppe aus. Wobei der Köder doch dem Fisch schmecken muss und nicht dem Angler. Die Top 3 Faktoren bei Arbeitern und Handwerkern sind: Jobsicherheit (72 %), ein ansprechendes Gehalt (69 %) und ein kollegiales Team (69 %). Mit attraktiven Zusatzleistungen können Arbeitgeber auch bei Blue-Collar-Arbeitnehmern den entscheidenden Wechsel- oder Bleibeimpuls auslösen, wenn sie sich auf dem Bankkonto bemerkbar machen. Auf 86 % der Befragten wirkt sich ein Bonus motivierend aus.

Nüchterne und pragmatische Einstellung zum Job

Die Zielgruppe Blue-Collar-Arbeitnehmer hat eine eher nüchterne und pragmatische Einstellung zum Job. Euphorische oder stilisierte Formulierungen, wie Traumjob, Work-Life-Balance oder Selbstverwirklichung, die regelmäßig in Stellenanzeigen für Akademiker zu finden sind, verfehlen hingegen ihre Wirkung. Was nicht unbedingt verwundert, wenn sich nach Maschinenstunden oder Kundenbedürfnissen zu richten ist. Auch die Einstellung zum Vorgesetzten ist eine andere. Für Blue-Collar-Arbeitnehmer zählt vornämlich die fachliche Kompetenz ihres Vorgesetzten. Gepaart mit Fairness und Verlässlichkeit. Emotionale Softskills wie Einfühlungsvermögen und soziale Kompetenz rangieren deutlich dahinter.

Gewerbliche Arbeitnehmer müssen mit anderen Argumenten angesprochen werden als Akademiker

Im Produkt-Marketing lautet die Devise: Wer seine Kunden wirklich erreichen und begeistern will, muss ihnen Erlebnis- und Produktwelten bieten, die so genau wie möglich auf die Person und ihre Vorstellung zugeschnitten sind. Der Misserfolg ist vorprogrammiert, wenn eine Marke und die damit verbundenen Produkte und Dienstleistungen an den Bedürfnissen der Kunden vorbeigehen.

Wenn Sie diese Erfolgsregel in das Employer-Branding transferieren, also die passenden Argumente auf der Karriereseite und in Stellenanzeigen offensiv darstellen, werden Sie gegenüber der Konkurrenz im Vorteil sein.

Jeden Tag wird die Welt neu verteilt. Das ist Ihre Chance und Ihr Risiko.

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