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So gewinnen Sie den Kampf um die besten Arbeitnehmer

Fujitsu beendet im September 2020 seine Produktion in Augsburg. 1.000 Arbeitnehmer sind davon betroffen.  Auf Ruf der „Allianz für Arbeitsplätze“ kamen am Montag 89 Unternehmen auf das Werksgelände von Fujitsu. Sie alle suchen dringend Ingenieure, IT-Spezialisten oder Arbeiter in der Produktion. Das Ende von Fujitsu Augsburg ist somit eine seltene Chance, Lücken in der Belegschaft zu schließen. Und die Stellenbörse gleichzeitig Wettbewerb pur. Welchen Arbeitgebern wird es gelingen, die besten Fujitsu-Mitarbeiter an sich zu binden? Welcher Neu-Arbeitgeber wird zum Bewerbermagneten?

Wenn alles gleich ist, entscheidet der Preis

Als Konsument ist Ihnen das Phänomen bekannt.  Wenn Sie bei Media-Markt vor einer Wand von Fernsehern stehen und die Datenblätter und Testbilder ein sehr ähnliches Ergebnis liefern, dann entscheiden Sie anhand des Preises. I.d.R. kaufen Sie das Gerät mit dem tiefsten Preis. Umgekehrt ist es auf dem Arbeitsmarkt. Ergeben sich  für den Bewerber keine großen Unterschiede bezüglich Arbeitsbedingungen, Arbeitsklima oder Sicherheit des Arbeitsplatzes, so entscheidet das Gehalt. Dann wird der Arbeitgeber ausgewählt, der die höchste Vergütung anbietet.

Welchen konkreten Nutzen bieten Sie

Nach der Vergütung ist die flexible Arbeitszeit der wichtigste Motivationsfaktor  bei der Jobsuche in Deutschland (58% – Quelle: Indeed Umfrage).  Eine gewichtige Rolle spielt zudem der Standort (57%), die bedeutungsvolle Tätigkeit (53%) und die Arbeitsumgebung (50%). Nennen Sie deshalb konkret die Dinge, die an Ihrem Unternehmen besonders sind. Für einen LKW-Fahrer ist es ein großer Unterschied, ob er auf seinen Touren im Hotel schlafen darf oder  im engen Führerhaus bleiben muss.  Bieten Sie ein kostenloses Essen in Ihrer 4-Sterne Kantine an oder kann der Mitarbeiter nur auf die nahe Bäckerei, Metzgerei oder Pausenbrote zurückgreifen? Kann der ganze Jahresurlaub am Stück genommen werden oder kommt es beim 3-Wochen-Urlaub bereits zu unterschwelligen Kündigungsandrohungen?  Bearbeitet Ihr CNC-Dreher Metall  oder fertigt Ihr Mitarbeiter eine Komponente, ohne die kein A380 abheben kann?

Wichtig ist, dass der Interessent erfährt wer Sie wirklich sind, und warum es gewinnbringend ist, bei Ihnen eine berufliche Aufgabe zu übernehmen. Zahlen, Daten und Fakten sind okay. Ihr Fokus muss jedoch auf Emotionen liegen. Sie erinnern sich – Wie haben Sie denn Ihre Partner*in überzeugt?

Binden Sie Ihre Mitarbeiter ein

Die besten – da erfolgreichsten – Werbeträger sind Ihre Mitarbeiter. Niemand kann authentischer über und für Ihr Unternehmen sprechen. Und nichts ist einfacher und ungezwungener, als mit einem potentiellen Kollegen ein Gespräch zu führen. Bringen Sie auf Job- oder Azubibörsen daher immer Fachkollegen mit, die Ihrer Zielgruppe entsprechen.  Die sprechen die gleiche Fachsprache und ticken ähnlich. Die Mitarbeiter aus der Personalabteilung  unterstützen im Hintergrund – als „Service-Mitarbeiter“.

Wer nicht automatisch neue Mitarbeiter gewinnt, ist schlicht und einfach falsch als Arbeitgebermarke positioniert.

Jeden Tag wird die Welt neu verteilt. Das ist Ihre Chance und Ihr Risiko.

Erfolgreiches Recruiting – auch im Gesundheitswesen

Im Jahresdurchschnitt 2018 sind – laut der Bundesagentur für Arbeit – in der Altenpflege auf knapp 3.100 arbeitslose Fachkräfte rund 15.300 freie Stellen entfallen. Die Folge: Inzwischen dauere es 183 Tage, bis Heimbetreiber eine frei gewordene Pflegestelle neu besetzen können.  Das heißt auch: Die verbliebenen Kollegen müssen in den 183 Tagen mehr leisten oder Betten bleiben leer. Beides  schmälert den Unternehmensgewinn. Mehr denn je stehen die Personalgestalter im Mittelpunkt. Das große Ziel: Passende Mitarbeiter binden und finden.

Die Stellenanzeige ist ein Werbemittel

Bei 3.100 arbeitslosen Fachkräften und 15.300 freien Stellen wird sofort klar, woher sofort einsatzbereite Fachkräfte nur kommen können: Vom Wettbewerb. Ihre Stellenanzeige ist i.d.R. der erste Berührungspunkt eines potentiellen Kandidaten mit Ihrem Unternehmen. Nutzen Sie die Chance. Wecken Sie bereits an diesem Punkt das Interesse der Pflegekraft – sichern Sie sich die Pole-Position im Bewerbungsrennen. Die Basics Ihrer Anzeige: Gute Lesbarkeit und eine klare Struktur. Das Wichtigste: AUFMERSAMKEIT. Fallen Sie aus dem Rahmen. Ganz viele Unternehmen vergessen den NUTZEN aus Bewerbersicht zu formulieren. Was macht Ihre Einrichtung besonders? Was erwartet Wechselwillige? Durchgängig geschulte Kollegen? Rückenschonende Arbeits-/ Hilfsmittel? Bringen Sie es auf den Punkt! Gleich am Anfang. Das übliche, langatmige „Wir sind …“ ist dort fehl am Platz.

Referenzen

Sich als attraktiver Arbeitgeber Unternehmen in der Gesundheitsbranche zu positionieren ist keine leichte Aufgabe. Das Image-Problem der Branche ist hinreichend bekannt bzw. man meint es zu kennen. Wie können Sie trotzdem zum Einäugigen unter den Blinden werden? Wie „beweisen“ Sie Wechselwilligen, dass bei Ihnen einige Dinge – die entscheidenden – besser sind? Mit Referenzen! Zeichnet die Stiftung Warentest die Sonnencreme XY mit sehr gut aus, dann schenken Sie dem Testurteil Glauben. Wie können potentielle Bewerber feststellen, dass  Sie zu den Besten in diesem Bereich gehören? Welche Pokale stehen in Ihrer Vitrine? Great Place to Work? TOP JOB 100? 5-Sterne bei kununu? Sprechen Sie über Titel und Platzierungen – heben Sie sich vom Wettbewerb ab!

Guter Gastgeber sein

Ziehen Sie keine falschen Schlüsse, wenn Bewerber Ihren Anruf entgegennehmen. Es heißt nicht automatisch, sie oder er hätte jetzt Zeit für die Klärung vertiefender Fragen.  Wie soll sich ein wirklich informatives Telefonat ergeben, wenn Kollegen und Chef Ihren Kandidaten umgeben? Übermitteln Sie Ihr Anliegen lieber schriftlich. Seriöse Bewerber antworten innerhalb  eines Tages.  Unterbreiten Sie Zeitfernster für (telefonische) Jobinterviews, die es Bewerbern einfach machen. Ein persönliches Treffen auf 9 Uhr zu terminieren, wenn die Anreise drei Stunden dauert, zeigt fehlendes Verständnis für die Situation des Kandidaten. Rechnen Sie einmal nach, wann der Wecker bei Ihrem Besucher klingeln wird.  Positiv wirken Sie, wenn Sie Termine auch außerhalb der üblichen Geschäftszeiten anbieten. So muss die andere Seite keine bzw. wenige Freistunden beim aktuellen Arbeitgeber beantragen. Sie, als Personaler, sind (kundenorientierter) Dienstleister Ihres Unternehmens. Ist ein Umzug notwendig, so bieten sich Termine am Freitag oder Montag an. Sie geben Bewerber und Familie die Chance, relativ einfach die neue Umgebung zu erkunden.

Zielgruppen erweitern: Rekrutierung von Quereinsteigern und Fachkräften im Ausland

Wo macht ein Angler reichlich Beute? Dort wo der Angler es bequem hat und leicht hinkommt? Oder wo die Fische sich wohlfühlen und in großer Vielzahl anzutreffen sind? Wenn die Stellen der „Komfortzone“ (Jobbörsen) leergefischt sind, sollten Sie schnellstmöglich neue Wege einschlagen. Bewerbergruppen wie Quereinsteiger oder im Ausland lebende Fachkräfte können Ihre Bedarfslücke schließen. Welches Wissen, welche Fähigkeiten  benötigen der neue Kollege zu Arbeitsbeginn wirklich? Gerade bei der Rekrutierung im Ausland gilt es, Vorurteile abzubauen und die Bereitschaft zu entwickeln, neue Mitarbeiter an die Hand zu nehmen, damit deren Integration zügig und erfolgreich gelingt.

Jeden Tag wird die Welt neu verteilt. Das ist Ihre Chance und Ihr Risiko.

Wer nicht automatisch neue Mitarbeiter gewinnt, ist schlicht und einfach als Arbeitgebermarke falsch positioniert.